Ozon in der Medizin ist nicht als ein „Medikament  im engeren Sinne“ zu betrachten.

Ozon in der Medizin vermittelt dem behandelten patienteneigenen Kompartiment elektrochemische (oxidative) Impulse. Es aktiviert die körpereigene Immun- und Redox-Balance und hilft so dem Organismus, entsprechende Dysbalancen zu regulieren bzw. Krankheitszustände zu bewältigen.


Therapiemittel_Ozon_Apr_2015.pdf   Drs. A. Balkanyi und A. Bühler


Allgemeines

  

Anwendungsformen, Indikationen, Kontraindikationen siehe: Anwendung


Ozon ist kein Heilmittel im engeren Sinn.  Ozon ist eine bestimmte Form von Sauerstoff - ein kleines, chemisch sehr reaktionsfreudiges, instabiles Molekül bestehend aus drei Sauerstoffatomen. Es verschwindet beim ersten Kontakt mit organischen Substanzen innert Bruchteilen von Sekunden.

Der Körper nimmt demzufolge bei Ozontherapie kein Ozon auf.


„Chemisch sehr reaktionsfreudig“  bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es je nach Wirkungsort und biologischer Umgebung eine Art „moderaten biologischen Stress“ ausüben und so im Organismus  -  ähnlich wie auch körperliches Fitnesstraining oder Fastenkuren -  gewisse Abläufe in Gang setzen und so Krankheitsprozessen  (chronischer oxidativer Stress) entgegenwirken kann.


Hierzu zitiere ich (kurz auf englisch) aus einem Referat von Frau Dr. R. Viebahn:

Inflammatory processes as the classical indications for systemically administered medical ozone have one general phenomenon in common: Oxidative dys-stress (mostly chronic): Chronic vascular inflammation, diabetic angiopathia, pain syndrome, rheumaoid arthritis, age related diseases, and cancer are initiated and maintained by an excess of oxygen radicals (Superoxide Radicals, Hydrogenperoxide H2O2, OH-Radicals).

As one of the consequences, the downregulated and/or insufficient cellular antioxidant system  e.g. superoxide dismutase (SOD), catalase (CAT) and others supports chronic inflammations.

Ozone, being a strong oxidant itself, interrupts this vicious circle by formation of „ozone peroxides“, reduction of cysteine residues and/or glutathion GSH (bypassing SOD and CAT consumption), signal transduction and regulation through Nrf2 (antioxidants) and NFkB (immunoregulation). As a consequence pathological concentrations of stress-relevant parameters like H2O2, malone dialdehyde MDA, total hydroperoxide TH decrease following systemic ozone treatment significantly, cellular antioxidants as well as the cytokin production (e.g. IL-1, IL-6, TNF-α ) in chronic inflammatory processes hereby being modified and regulated.


Medizinisches Ozon hat „topisch“ (d.h. lokal angewendet) eine stark ausgeprägte bakterien- und pilztötende sowie antivirale Wirkung und findet entsprechend Anwendung zur Desinfektion von infizierten Wunden. Sowohl topisch wie systemisch kombiniert ist es hervorragend wirksam bei schweren Wundheilungsstörungen z.B. bei Diabetes:

Beispiel einer durch Ozontherapie erfolgreich verhinderten Amputation.


Die durchblutungsfördernde und revitalisierende Eigenschaft kennt man seit vielen Jahren. Speziell interessant und relevant ist dieser Aspekt im Zusammenhang mit ischämischem cerebrovaskulärem Insult („stroke“).

Long-term cerebrovascular reactivity mediated

by ozone autohemotherapySauerstoffversorgung;

Oxidants, Antioxidants and the ischemic Brain (2004)


Niedrige Ozonkonzentrationen stimulieren bestimmte Immunzellen dazu, Botenstoffe zu produzieren (Zytokine, Interferon und Interleukine). Diese informieren andere Immunzellen und setzen so die ganze Kaskade der Immunantwort in Gang.

Multiorganversagen nach Verbrennung (Tierexperiment)


Die bei internistischer Anwendung stets zusammen mit Patientenblut applizierten sehr geringen Ozonmengen ( z.B. «Kleine Eigenblutbehandlung» als intramuskuläre Injektion oder intravenös verabreicht in Form der «Grossen Eigenblut Behandlung», auch AHT, Auto-Haemo-Therapy genannt) aktivieren die Produktion körpereigener Antioxidanzien und Radikalfänger. Dies erklärt deren Wirksamkeit bei chronischen Entzündungen.

Ein Experiment hierzu:

Antioxidative Kompetenz steigern


Zur Beachtung: Bei Behandlungen in Kombination mit Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin A muss um das therapeutische Prinzip der Ozontherapie (moderate Ox-Stress-Exposition) nicht zu beeinträchtigen die Verabreichung von  A n t i o x i d a n t i e n   zwingend  erst nach der Ozon- Applikation erfolgen,

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Berichte über den Einsatz von ozonisiertem Pflanzenöl, welches über Ozonide (Trioxolane) wirkt, finden Sie über diese Links: Oz Oel bei Hauterkrankungen  Oz Oel in der Gynaekologie

Die internistische Ozontherapie wird mehrheitlich in Form der „Auto-Haemo-Therapie“ durchgeführt (AHT, auch „Grosse Ozon-Eigenblutbehandlung“ GEB genannt). 
Patientenblut wird steril entnommenem und anschliessend in einer Flasche, also „extrakorporell“ mit einer ad hoc hergestellten Mischung aus Sauerstoff- und Ozongas zusammengeführt. 
Die so behandelte und durch Ozonbeigabe vielfältig veränderte kleine Menge von Eigenblut (0,5 bis 1dl) wird anschliessend durch das belassene Entnahmebesteck in geschlossenem System völlig steril reinfundiert. 

Gelegentlich wird Ozontherapie auch als reines „Gas-Klistier“ (R.I. = rektale Insufflation) - also ohne Venenpunktion und  ohne Blutkontakt - direkt in den Enddarm appliziert. Bei dieser Anwendungsart wird die dreifache Ozonmenge verabreicht. Mittels vieler Studien konnte belegt werden, dass die rektale Insufflation durchaus eine valable Verabreichungsart darstellt. 

Ferner kann das Ozon-Sauerstoff-Gemisch mittels intramuskulärer Injektionen oder auch mittels direkter Punktierung in die Gelenke und - durch qualifizierte Fachpersonen unter CT-Bildgebung durchgeführt - gar direkt an die Nervenwurzeln oder in die Bandscheiben injiziert werden. 

Nebst der „internistischen“ Ozontherapie wird auch die „äusserliche“ Ozon-Anwendung in Form von Beutel- oder Glocken-Unterdruck-Begasung praktiziert. Diese ist je nach Situation anfänglich deutlich stärker dosiert und kommt bei infizierten oder schlecht heilenden Wunden zum Einsatz. Sie hat gemäss etlicher Therapieberichte schon manche drohende Amputation verhindern können.