Diesen letztmals im September 2012 überarbeiteten
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 Warum_Oz_Th.pdf

Der Begriff „Ozon“   wird gerne spontan assoziiert mit 
„Gesundheitsgefährdung“  „Umweltverschmutzung“  
     „Ozonloch der Stratosphäre“  „UV-Belastung“

In der Diskussion, ob Ozon auch therapeutisch genutzt werden könne blockieren solche Assoziazionen - leider oft auch unter Fachleuten - eine sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.





1 Einleitung
2 Wirkung
3 Indikationen  (siehe auch die Seite: Ozon als Therapiemittel)
4 Ozonherstellung
5 Internationale Verbreitung
6 Geschichte der Ozontherapie

1 Einleitung

Internistische Ozontherapie wird ärztlich in mitteleuropäischen Ländern seit rund 60 Jahren angewandt und entspricht nach heutigem Wissensstand einer unspezifischen biologischen Reiztherapie, welche über komplexe biochemische Abläufe auf körpereigene Regulations- und Schutzsysteme modulierend und damit in vielen Fällen heilend einwirkt.

Das Verständnis für die Wirkungsweise setzt fundierte biochemische, physiologische und medizinische Kenntnisse voraus, was einen erheblichen Aufwand abverlangt. In ihrem Aufsatz „Mechanisms of Action Involved in Ozone Therapy: Is healing induced via a mild oxidative stress?“ (Med Gas Res.2011; 1:29) legen Sagai und Bocci dar, dass starker oxidativer Stress u.a. den Transkriptionsfaktor NFKappa B aktiviere und weiter über Produktion von COX2, PGE2 sowie Zytokinen Entzündungsprozesse fördern. 
Demgegenüber aktiviere milder oxidativer Stress, wie er bei der korrekt dosierten Ozontherapie auf Teile des biologischen Systems ausgeübt werde, eine Aktivierung des Transkriptionsfaktors Nrf2. Dieser gelangt sodann in den Zellkern wo er mittels Aktivierung der ARE (Antioxidant Response Elements) die zelluläre Produktion zahlreicher antioxidativer Enzyme bewirkt (z.B. Superoxid-Dismutase, Glutathion-Peroxidase, Glutathion-S-Transferase, Katalase, Heme-Oxidase-1, NADPH-Quinone-Oxidoreduktase und „Heat Schock Proteine“). 
Diese durch Ozonwirkung initiierte „antioxidative Aufrüstung“ ermöglicht es, eine als „Chronischen Oxidativen Stress“ definierte entgleiste, krankmachende Stoffwechsel-Lage in ein neues Gleichgewicht zu führen und dadurch klinisch sehr unterschiedlich in Erscheinung tretende Krankheiten zu behandeln. (Oxidative stress acts as a „second messenger“ in various intracellular signaling pathways)
Ueber derartige  Mechanismen dürfte auch die Schutzwirkung gegen die Entwicklung von Erkrankungen des neurodegenerativen Bereichs wie Parkinson, MS und Alzheimer erklärbar sein. 

Weitere durch milden oxidativen Stress aktivierte Transkriptionsfaktoren sind nebst vielen anderen auch NFAT (nuclear factor of activated T-cells) und AP-1 (Activated Protein-1). Die Wirksamkeit bei vaskulären Erkrankungen dürfte u.a. mit der Aktivierung von HIF-1a (Hypoxia Inducible Factor 1 Alfa) zu erklären sein. (Link zum Abstract)

ROS (= reaktive Sauerstoff-Radikale) have an ambivalent role in the conditioning phenomena: 
Whereas excess formation of ROS contributes to irreversible injury 
small amounts of ROS, for example, in response to mitochondrial KATP (= ATP-dependent potassium channel) activation or MPTP (= mitochondrial permeability transition pore) opening contribute to protection, possibly through oxidation of protective cytosolic kinases. ROS share the same paradox with the conditioning phenomena per se, in that a little ischemia/reperfusion or ROS protects, whereas more profound ischemia/reperfusion or ROS formation induces injury. Reactive nitrogen species, notably nitric oxide (NO), also share this dose-dependent paradox. Small concentrations of NO improve ventricular function and the matching of oxygen consumption to contractile function, whereas high concentrations of NO depress contractile function.
(Zitat aus: „Molecular Basis of Cardioprotection“
Signal Transduction in Ischemic Pre-, Post-, and Remote Conditioning
Gerd Heusch; Circ Res. 2015;116:674-699. DOI: 10.1161/CIRCRESAHA.116.305348.)

Zögerliche Anerkennung durch Krankenkassen und Zusatzversicherungen:
Von den involvierten Verantwortungsträgern des Gesundheits- und Versicherungswesens, speziell im Bereich Zusatzversicherungen für Komplementärmedizin sollte man erwarten dürfen, dass sie entweder den Aufwand leisten, sich ein fundiertes Bild dieser Therapiemethode zu schaffen oder sich dann zumindest einer unqualifizierten negativen Beurteilung zu enthalten. Mit Befremden muss jedoch konstatiert werden, dass diverse Krankenversicherer völlig willkürlich über Nutzen und Risiken der Ozontherapie befunden haben und diese als nicht rückerstattungsfähig einstufen.

Dass Ozontherapie bei einem sehr unterschiedlichen Fächer von Krankheitsgruppen Anwendung findet  erklärt sich daraus, dass die Wirkung wie erläutert auf einem Niveau elementarster biochemischer Abläufe erfolgt. (Immunabwehr, Entzündungsprozesse, antioxidative Schutzsysteme).  

Eine Fülle von Forschungsarbeiten belegt, dass nosologisch  unterschiedlich eingestufte Krankheiten oft auf gemeinsame Ursprünge zurückzuführen sind:
 
„Persistent inflammation and the generation of reactive oxygen and nitrogen species play pivotal roles in tissue injury during disease pathogenesis and as a reaction to toxicant exposures. 
The associated oxidative and nitrative stress promote diverse pathologic reactions including neurodegenerative disorders, atherosclerosis, chronic inflammation, cancer, and premature labor and stillbirth. These effects occur via sustained inflammation, cellular proliferation and cytotoxicity and via induction of a pro-angiogenic environment“.
      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19656995?ordinalpos=9&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

Die internistische Ozontherapie wird mehrheitlich in Form der „Auto-Haemo-Therapie“ (AHT, auch „Grosse Ozon-Eigenblutbehandlung“ GEB genannt) durchgeführt. Patientenblut wird steril entnommenem und anschliessend in einer Flasche, also „extrakorporell“ mit einer ad hoc hergestellten Mischung aus Sauerstoff- und Ozongas zusammengeführt. Die so behandelte und durch Ozonbeigabe vielfältig veränderte kleine Menge Eigenblut (0,5 bis 1dl) wird anschliessend durch das liegengelassene Entnahmebesteck völlig steril intravenös refundiert. Gelegentlich wird Ozontherapie jedoch auch als reines „Gas-Klistier“ (R.I. = rektale Insufflation) - also ohne Venenpunktion und  ohne Blutkontakt - direkt in den Enddarm appliziert. Bei dieser Anwendungsart wird die dreifache Ozonmenge verabreicht. Mittels vieler Studien konnte belegt werden, dass die rektale Insufflation durchaus eine valable Verabreichungsart darstellt. Ferner kann das Ozon-Sauerstoff-Gemisch mittels Injektionen intramuskulär oder auch direkt in die Gelenke und - durch qualifizierte Fachpersonen unter CT-Bildgebung - gar direkt in die Bandscheiben injiziert werden. 

Nebst der „internistischen“ Ozontherapie wird auch die „äusserliche“ Ozon-Anwendung in Form von Beutel- oder Glocken-Unterdruck-Begasung praktiziert. Diese ist je nach Situation anfänglich deutlich stärker dosiert und kommt bei infizierten oder schlecht heilenden Wunden zum Einsatz. Sie hat gemäss etlicher Therapieberichte schon manche drohende Amputation verhindern können.

Studie: Ozone Therapy in Diabetic Foot and Chronic, Nonhealing Wounds

Efficacy of Ozone–Oxygen Therapy for the Treatment of Diabetic Foot Ulcers

Therapeutic efficacy of ozone in patients with diabetic foot
    
2 Wirkung
  Die Internistische Ozontherapie entfaltet ihre Wirkung an Enzymen und Mediatoren (Zytokinen) des Zellstoffwechsels. 
Konkret handelt es sich dabei um 

A) die körpereigenen (endogenen) antioxidativen Schutzsysteme mit messbarer Anhebung verschiedener antioxidativer Enzyme (Superoxiddismutase, Katalase, Glutathion-Peroxidase, Reduktase)

B) das Immunsystem mit Freisetzung körpereigener Zytokine wie                 Interferone und Interleukine

C) die Aktivierungs- und Supressorsysteme der Gen-Regulation. 
    Siehe hierzu die folgende „in vivo“ Studie (publiziert 2014):
 Is ozone pre-conditioning effect linked to Nrf2/EpRE activation pathway in vivo? A preliminary result

Weitere Ausführungen hierzu finden sich auf der Seite „Wissenswertes“

3 Indikationen (ausführlicher auch unter: „Therapiemittel Ozon“ )
Allgemeine und organbezogene Degenerations- und Alterungsprozesse wie z.B. die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), chronisch entzündliche Krankheiten (Rheumatoide Arthritis) und chronisch verlaufende Virusinfektionen (Herpes, Hepatitis B und C) sind wichtige Indikationsgebiete.
Siehe z.B.: Ozonanwendung diverse 1997 Cuba.htm 

Als Begleitbehandlung von Krebsleiden kann auf die allgemeine Schwäche und möglicherweise auf die Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie günstig Einfluss genommen werden. 

Bei intensiver täglicher Anwendung in der Frühphase von akuten Durchblutungsstörungen wie Schlaganfällen, Zentral-Arterienverschluss im Auge und ähnlichen ernsthaften Notfallsituationen  kann die Ozontherapie einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung bleibender neurologischer Schäden leisten.  

Verschiedene Forschungsarbeiten, z.B. von Prof. Olga Sonja Leon, Pharm. Dptm. Univ. of Havanna liefern starke Hinweise darauf, dass bei  Diabetes sowohl in den Früh- wie auch in den Spätstadien die Entstehung der gefürchteten Komplikationen durch Ozontherapie via Regulation der Aldose Reduktase (Verminderung der NADPH-Depletion, reduzierte Bildung von Fruktose und “AGE“ (Advanced Glycated Endproducts), Hochregulierung der Superoxid Dismutase und Katalase mit folglicher  Verminderung der oxidativen Stressbelastung durch ROS (Reactive Oxygen Spezies) günstig beeinflusst werden können.
 Bocci et al (2014): An integrated medical treatment for type-2 diabetes


4 Ozonherstellung
Das Ozonmolekül als hoch reaktionsfreudiges Sauerstoffgebilde wird aus reinem Medizinalsauerstoff unmittelbar vor seiner medizinischen Verwendung mittels eines speziellen elektrischen Ozongenerators (Hochvoltkammer, stille elektrische Entladung)  hergestellt und durch verantwortungsbewusste, geschulte Therapeuten gezielt angewandt. 

Weil es therapeutisch unmittelbar an seinen Wirkungsort gebracht wird und dort innert kürzester Zeit reagiert bzw. abgebaut wird, entsteht durch korrekt durchgeführte Ozontherapie keine Umweltbelastung. 

Bei korrekter Anwendung ist die Therapie nebenwirkungsfrei und ungefährlich. Die entsprechende Ausbildung und Zertifikatserteilung der ärztlichen Anwender erfolgt in der Schweiz unter Begleitung der SAGOS.

5 Internationale Verbreitung
Eine wachsende internationale Forschergemeinschaft beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der therapeutischen Wirkung von Ozon. Die ersten Anwendungen in der Medizin sind bereits in den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfolgt. 

Derzeit wird Ozontherapie in der Schweiz, Deutschland, Italien, Oesterreich, Spanien und in vielen weiteren Ländern  (Türkei, Aegypten, Israel,Russland, Indien, China, Indonesien) regelmässig und mit gutem Erfolg angewandt. Speziell Länder, für welche die sehr hohen Preise modernster antiviraler Medikamente (Hepatitis B und C) oder Biologicals (Autoimmunerkrankungen wir Rheumatoide Arthritis) eine sehr grosse Belastung darstellen, zeigen grosses Interesse an dieser Therapiemethode. Gerade solche Länder liefern auch mit klinischen Studien immer wieder wertvolle Beiträge zur wissenschaftlichen Erforschung dieser Therapiemethode.  

Interessante Pathophysiologie- und Therapiestudien wurden u.a. in Aegypten, Israel und Kuba durchgeführt. Siehe z.B.: 
Ozone oxidative preconditioning is mediated by A1 adenosine receptors in a rat model of liver ischemia/ reperfusion  
Social economic impacts of 11 years in the application of ozone therapy.htm

6 Geschichte:
Ozon wurde zu Beginn vor mehr als fünfzig Jahren vermutlich im Sinne der bereits früh erkannten Verbesserung der Sauerstoffversorgung sowie angesichts der stark desinfizierenden Wirkung als „Supersauerstoff“ betrachtet. Dagegen ist man heute zur Erkenntnis gelangt, dass seine hauptsächliche Wirkungsweise anders gelagert und sehr vielschichtig ist. 



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